Die Schlacht im Hürtgenwald: Dritter Akt – Die Allerseelenschlacht – 3. November 1944

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Wenn man heute an der Stelle steht, wo der „Kall Trail“ eigentlich beginnt, kommen einem unwillkürlich Fragen zum Sinn von Befehl und Gehorsam. Der Feldweg, der südlich der Vossenacker Kirche zum Waldrand führt, knickt plötzlich nach unten ab und verengt sich auf vielleicht zwei Meter. Von hier ab verläuft er im dichten Wald am Hang steil nach unten. Dass dieser bessere Pfad nicht nur Panzer und anderes schweres Gerät auf die andere Seite der Kall-Schlucht tragen sollte, sondern auch als Hauptnachschubweg für ganze Militäreinheiten vorgesehen war, muss den amerikanischen Soldaten vor Ort genauso rätselhaft erschienen sein wie uns Heutigen.
Das Wetter trug sicherlich auch nicht zu einer optimistischeren Betrachtung bei: Es war kalt, wenn auch noch über dem Gefrierpunkt, Nebel hing zwischen den Bäumen, jederzeit konnte es anfangen zu nieseln. Der Boden war aufgeweicht und matschig und klebte an den Stiefeln der GIs.

Ein Vorauskommando der K-Kompanie des 3. Battailons des 112. Infanterieregiments machte sich gegen 8.45 morgens an den Abstieg. Dabei wurden sie von Artilleriefeuer begrüßt, drei wurden getötet, einer verwundet. Scharfschützen verwundeten einen Soldaten, der ein Nachrichtenkabel verlegen wollte, und erschossen einen Stabsunteroffizier. An der Kall etwas südlich der Mestrenger Mühle angekommen, trafen sie auf 10 deutsche Soldaten, von denen einer erschossen und der Rest gefangen genommen wurde. Am anderen Kallufer stiegen sie Richtung Kommerscheid auf und trafen erneut auf acht deutsche Soldaten, die sich – entnervt vom Dauerfeuer der amerikanischen Panzer vom gegenüber liegenden Hang – ergaben. Gegen 13 Uhr war Kommerscheid genommen, und Schmidt, das eigentliche Ziel, lag unmittelbar vor der K-Kompanie. Aus einem der Bunker zur Rechten, auf dem ein amerikanisches Flugzeugwrack lag, gab es kurzes Störfeuer und einen Ausbruchsversuch, der aber gestoppt werden konnte. Captain O´Malley, der Kompanieführer, teilte seine Männer in zwei Gruppen auf, von denen die eine ins Zentrum von Schmidt vorstieß, während die zweite die Straße Richtung Strauch zum Ziel hatte. Sie trafen zwar auf den Feind, die 275. Infantrie-Division, aber auf wenig Widerstand.
Gleichzeitig hatte die L-Kompanie der gleichen Einheit ebenfalls die Kall überschritten und war weiter östlich über Froitscheid ebenfalls bis Kommerscheid vorgedrungen. Beide Einheiten gingen nun getrennt auf Schmidt zu, wobei beinahe 30 Gefangene gemacht wurden. Die zunehmende Dunkelheit und Scharfschützen hielten den weiteren Vorstoß auf, während noch zwei weitere Einheiten, Teile der I-Kompanie und die M-Kompanie, von Vossenack nach Schmidt vorrückten und dort nach Einbruch der Dunkelheit eintrafen.
Ein zwölfköpfiger Kundschaftertrupp, die „Greene Hornets“ (der Kommandeur war ein Leutnant Greene), hatte während dessen das Gelände nördlich von Vossenack von Wittscheidt Richtung Kall erkundet und war in ein Handgrantenduell verwickelt worden, ohne eigene Verluste zu erleiden.
Das 1. Battalion des 112. Infanterieregiments, mit Ausnahme der B-Kompanie, die bei Richelskaul blieb, erreichte am Nachmittag die Kall und bei Einbruch der Dunkelheit Kommerscheid. Alle Einheiten in Kommerscheid und Schmidt mussten ihre Positionen während der Nacht gegen Dauerbeschuss verteidigen.
Unmittelbar nach den kämpfenden Einheiten folgten Pioniere mit dem Auftrag, den „Kall Trail“ als Hauptnachschublinie auszubauen und – wenn nötig – eine Brücke über die Kall zu schlagen. Bei einer Inspektion zu Fuß mussten die beiden Hauptleute Miller und Lutz erkennen, dass die Strecke nicht nur durch ein liegen gebliebenes Kettenfahrzeug („Weasel“) der Sanitätstruppe blockiert war, sondern dass auf der rechten Seite Felsvorsprünge in den Weg hinein ragten, während die linke Schulter unter Belastung – z. B. durch Panzer oder LKWs – zum Hang abzurutschen drohte.

Insgesamt schien der 3. November 1944 aus amerikanischer Sicht durchaus von Erfolg gekrönt, waren doch zwei Infanterie-Battailone fast vollzählig und ohne allzu große eigene Verluste nach oder in die Nähe von Schmidt gelangt, und alles sah nach einem leichten Sieg aus.

Ein Zeitzeugenbericht

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Streckendaten
Schwierigkeit Normal
Länge 8,5 km
Dauer 3 Std.

 

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