Die Schlacht im Hürtgenwald: Dritter Akt – Die Allerseelenschlacht – 8. November 1944

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Die amerikanischen Befehlshaber, allen voran General Hodges, hatten offenbar keinerlei Vorstellung von der Dramatik der Situation im Kalltal und in Kommerscheid. Der Befehl lautete: Rückeroberung von Schmidt. Soweit bekannt, hat sich zu keinem Zeitpunkt ein amerikanischer „Lamettaträger“ an der Front blicken lassen, geschweige denn das Kalltal durchquert, übrigens ganz im Gegensatz zu deutschen Generälen, die sich ständig an der Front von der jeweiligen Lage überzeugten. Die Berichte, welche die Stäbe erreichten, klangen stets wesentlich positiver als es der tatsächlichen Lage entsprach. Dies geht u. a. aus dem Kriegstagebuch „The War Diary of General Courtney H. Hodges & The First U.S. Army“ hervor, veröffentlich von Hodges´ damaligem Adjudanten Major William C. Sylvan unter de3m Tirel „Normandy To Victory“. Diese geschönte Berichterstattung wurde vor allem verursacht durch den zunehmenden Erfolgsdruck, den die amerikanische Militärführung auf die Truppen ausübte. Es wurde zunehmend das berichtet, was „oben“ gehört werden wollte. Dies mag mit ein Grund dafür sein, dass es die Stäbe offenbar zu keinem Zeitpunkt für erforderlich hielten, die Strategie grundlegend zu überdenken. Insgesamt gesehen muss man aus heutiger Sicht das Debakel der „Schlacht im Hürtgenwald“ wohl als grandioses Versagen der amerikanischen Generalität bewerten, wofür allerdings kein einziger Verantwortlicher je zur Rechenschaft gezogen wurde. Im Gegenteil: Bekanntlich wurde General Eisenhower zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt!

Anstelle eines erneuten Angriffs auf Schmidt konnte es an diesem 8. November nur darum gehen, die isolierten Kämpfer in und um Kommerscheid möglichst heil auf das nördliche Kallufer zurück zu bekommen. Dazu bewegte sich das 3. Battalion der 109. Infanterie die Simonskaller Straße hinab bis zur – heute so benannten – „Todeskurve“ und von da durch den Wald, um sich nahe des Kall Trails ein zu graben. Die L-Kompanie, die Flankenschutz gewären sollte, stieß auf heftigen Widerstand und zog sich unter beträchtlichen Verlusten auf eine Position etwas nördlich der „Todeskurve“ zurück, wo die „Task Force Lacy“ die Kämpfe relativ unbehelligt überdauerte. Freiwillige der K-Kompanie hatten den Auftrag, Oberst Nelson über die Kall nach Kommerscheid zu bringen, und einen Rückzugsweg für die dortigen Truppen aus zu kundschaften. Dies gelang auch nach einem kurzen Scharmützel mit einem deutschen Trupp. Bei Kommerscheid trafen sie auf Oberst Ripple, und gemeinsam entwarfen die Offiziere den Rückzugsplan, welcher vorsah, dass zunächst die Verwundeten mit Einbruch der Dunkelheit den Kall Trail ninab gebracht werden sollten, und anschließend die etwa 350 kampffähigen Truppen querfeldein durch das Waldgelände folgen sollten. Alles zurück gelassene Material einschließlich der Panzer sollte unbrauchbar gemacht werden.

Der Aufbruch glückte halbwegs, wenn auch mit einiger Konfusion. Die kampffähigen Männer waren sehr darum bemüht, sich möglichst von den Verwundeten fern zu halten, weil man hoffte, dass die letzteren unbehelligt bleiben würden. Oberst Nelson, der die andere Gruppe anführte, hatte seinen Kompass verloren. Als Mörserbeschuss einsetzte, zerfiel die Marscheinheit in kleine Grüppchen, die jede für sich ihr Heil suchten. Diejenigen, die noch bei Oberst Nelson geblieben waren, fanden sich auf einmal in Mitten des Verwundetenzuges wieder, welche sie schließlich überholten, um vor ihnen die Kallbrücke zu überqueren. Unter zunehmendem deutschen Artilleriebeschuss zersplitterten die einzelnen Marschgruppen immer mehr, und letztlich gelangte nur eine Gruppe von etwa 50 Mann unter der Führung der Panzeroffiziere Hauptmann Hostrup und Leutnant Fleig bis nach Vossenack, während die übrigen Flüchtlinge sich zum Teil im Kalltal verliefen, oder an einem Sammelpunkt im Bereich der K-Kompanie einfanden. Schließlich wurden fast alle etwa 300 Mann noch vor Morgengrauen zurück gebracht, und südlich der Kall standen keine amerikanischen Streitkräfte mehr.

Ein Zeitzeugenbericht

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Streckendaten
Schwierigkeit Normal
Länge 8,5 km
Dauer 3 Std.

 

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