Märchenlandweg Etappe 10: Niederkaufungen – Nieste

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Wandern auf dem Märchenlandweg Streckenbeschreibung Nr. 10
Von der Gänserammel in Niederkaufungen bis Nieste
Start: Gänserammel in Niederkaufungen
Die Gänserammel ist ein Platz mitten im Dorf, am Bach nahe der Mühle, auf dem sich früher die Gänse sammelten, das war ein Gerammel! Heute stehen zur Erinnerung daran diese Tiere aus Bronze gegossen auf dem kleinen Anger nahe der 1829 über die Losse und den ehemaligen Mühlgraben erbauten Sandsteingewölbebrücken. Das Märchen „Der Fuchs und die Gänse“ können Sie hier auf einer Schautafel nachlesen.
Dann führt der Märchenlandweg weiter entlang der Mittelstraße, vorbei am Backhaus, in dem auch heute wieder nach alten Rezepten gebacken wird, direkt auf die kleine Niederkaufunger Kirche zu. Die Kirche ist vermutlich der Umbau eines aus der Klosterzeit stammenden steinernen Hauses. Der Grabstein des im Jahre 1722 verstorbenen Greben (Dorfvorstehers) Johannes Werner an der Kirche ist ein in der Region seltenes Beispiel alter Steinmetzkunst.
Vorbei an liebevoll restauriertem Fachwerk und alten Bauernhöfen verläuft der Märchenlandweg entlang des Steinwegs direkt in das Nieder- und Oberkaufungen verbindende Naherholungsgebiet Steinertsee. Auf dem idyllischen Spazierweg umrunden Sie den Steinertsee ein Stück nach links und stoßen dann auf die Schautafel zur Geschichte um die Kaufunger Kohlenwiewer“.

Der Märchenlandweg verlässt dann den Rundweg um den See.
An der Wegekreuzung gehen Sie nicht nach rechts weiter, sondern geradeaus, bis Sie an den nächsten Weg gelangen. Diesen schlagen Sie nach rechts ein. Weiter führt der Märchenlandweg zur Weinberghütte und dann nach links ein Stückchen den Weinberg hinauf, der einen traumhaften Blick auf Oberkaufungen und die umliegenden waldreichen Höhenzüge verspricht.

Hier entsteht derzeit wieder ein Weinberg, denn bereits im 11. Jh. wurde vom Kaufunger Kloster Wein angebaut. Der Märchenlandweg verläuft in einem Rechtsbogen durch die Felder, bevor er scharf nach rechts in Richtung Oberkaufungen abbiegt. Es geht nun wieder bergab bis zur Bahnlinie, dort ein Stückchen nach rechts und über den Bahnübergang.
Sie gehen an der Grünfläche zu Ihrer Rechten entlang und biegen vor der Siedlung nach rechts ab, um entlang des Baches „Losse“, auf dem Unteren Struthweg, zur Niester Straße zu gelangen. Weiter geht’s am Rathaus mit der Skulpturengruppe „Knottenfresser und Bohnenbiedel“ vorbei auf die Leipziger Straße im Ortsteil Oberkaufungen. Entdecken Sie die malerische Fachwerkidylle, beginnend im „Gäßchen“ und den Reiz des alten Dorflebens. Durch verwinkelte Gäßchen hindurch erreichen Sie das Regionalmuseum „Alte Schule“. Hier wird in liebevoll arrangierten Ausstellungen mit zahlreichen Originalexponaten in zwei Gebäuden das Leben, Arbeiten und Wohnen – vom Mittelalter bis zur Gegenwart – im Dorf dokumentiert. Weiter führt der Weg direkt auf das mächtige Stiftsareal zu.
Hier befindet sich die Schautafel mit der Legende „Der Backenstreich im Kloster Kaufungen“. Bevor Sie in den Stiftshof eintreten, sollten Sie noch einen Blick auf die historischen Fachwerkhäuser im Bereich der „Freiheit“ werfen. Bis 1834 waren die Bürger der Stiftsgemeinde „Freiheit“ unabhängig und noch heute findet sich ihre besondere Freiheitsliebe im „Freiheiter Bürgerverein“ wieder.
Als Königshof „coufunga“ wurde Kaufungen 1011 erstmals urkundlich erwähnt. Hier gründeten Kaiser Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde 1017 ein Benediktinerinnenkloster. Kunigunde trat nach dem Tod Heinrich II. in das Kloster ein und lebte und wirkte dort bis zu ihrem Tod im Jahr 1033. Um die als ausgesprochen fromm geltende „heilige Kunigunde“ ranken sich viele Sagen, nach denen weder der Teufel noch das Feuer ihr etwas anhaben konnten. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster 1527 aufgelöst und der hessischen Ritterschaft zu Versorgungszwecken übergeben. Von den Klosteranlagen sind heute nur noch die St. Georgskapelle, das Dormitorium und die weit das Lossetal überragende Stiftskirche – das bedeutendste spätottonische Bauwerk Nordhessens – erhalten.
Der Märchenlandweg führt dann aus den Mauern des Stifts hinaus in die kleinen Fachwerkgassen rund um das Stiftsareal. Am neu gestalteten Dorfplatz Besenmarkt – früher wurde hier der Wochen- und Jahrmarkt abgehalten – erwartet Sie das nächste Ziel: Die Schautafel zur Sage „Der Hecketaler“, die davon berichtet, wie eine magische Münze immer wieder zu ihrer Eigentümerin zurückkehrte…
Die grüne Idylle der Losse verzaubert einfach jeden… doch gibt es noch mehr zu sehen. Entlang der Dorfstraße – mit wunderbarem Blick auf gepflegtes Fachwerk rechts und links in den kleinen Gassen – geht es zum Mühlenplatz, der an die ehemaligen Mühlen in Kaufungen erinnert. Nun verlassen Sie den alten Oberkaufunger Ortskern und tauchen ein in die „Natur im Dorf“: Der Märchenlandweg führt Sie direkt an der Losse entlang und quert sie. Weiter führt er nach links auf der Dr.-H.-Schmidt-Straße bis zum Forstamt. Dort biegt er nach rechts ab und verläuft an der Niester Straße, vorbei am Industriedenkmal „Ziegelei“ bis zum Bergwerkmuseum „Roßgang“

. Braunkohleförderung war in Kaufungen bis 1971 von Bedeutung. Der „Roßgang“, mitten im Wald gelegen – ist ein Industriedenkmal aus der Bergbauzeit in Kaufungen und hinterlässt durch seine beeindruckende Rekonstruktion des Pferdegöpelhauses einen bleibenden Eindruck. Die Entstehung und der Abbau von Braunkohle wird hier bildhaft erklärt und dokumentiert. In der Außenanlage wurde in verkleinertem Maßstab ein Alaunbergwerk nachgebaut. Nun haben Sie das Kaufunger Ende des Märchenlandwegs erreicht. Bevor Sie nach Nieste weiterwandern, werfen Sie noch einen Blick auf die Schautafel „Trolle nach Süden“. Hier erfahren Sie gar Wundersames!
Nachdem Sie das Bergwerkmuseum verlassen haben, führt der Märchenlandweg noch ein Stück durch den Wald und dann nach rechts durch ehemaliges Braunkohleabbaugebiet. Am Wald angekommen, wandern Sie nach rechts in den Wald hinein und dann, an einem Jagdsitz nach links geradeaus bis zu einem geschotterten großen Waldparkplatz, den Sie queren. So erreichen Sie den Naturpark-Parkplatz „Tannenhütte“ mit Grillhütte und Kinderspielplatz. Hier öffnet sich der Blick nach Nieste, dem Grenzdorf zu Niedersachsen. Nordwestlich sind die Höhen um Staufenberg ersichtlich und im Norden breitet sich der Kaufunger Wald in Richtung „Großer Steinberg“ (542 m) aus.
Sie folgen der Märchenlandweg-Markierung nach links und überschreiten die K6. Unmittelbar nach der Querung erwartet Sie zunächst der weite Blick zurück auf Kaufungen, dem Lossetal folgend bis zum Kasseler Becken. Nach wenigen Schritten überrascht einer der schönsten Aussichtspunkte in das obere Niestetal. Nordöstlich sind die drei Täler der Nieste erkennbar: Endschlag-, Wengebach- und Niestetal. Weiter rechts, zwischen den Höhenzügen des Haferberges (580 m) und der Hausfirste mit dem Mülenstein (607 m) befindet sich die Wasserscheide zwischen Fulda und Werra.
Nachdem der Märchenlandweg die Kreuzung gequert hat, führt er bergauf in den Wald hinein, bis zur sogenannten Jugendburg Sensenstein auf dem Geroldsberg (352 m). Von der 1373 erbauten Burg Sensenstein ist nur noch ein Teil der Wallanlage zu sehen, auf denen heute eine moderne Sport- und Freizeitanlage des Landkreises Kassel errichtet ist. Im Eingangsbereich steht eine imposante Metallskulptur des österreicher Künstlers Prof. Robert Colnago, die einen Riesen darstellt: Vor langer Zeit sollen sich die Riesen der Burgen Sensenstein und des gegenüberliegenden Sichelnsteins mit Felsbrocken beworfen haben…
Auf dem Serpentinenweg führt der Märchenlandweg bergab Richtung Freizeitheim „Rotte Breite“. Kurz vor dem Abzweig zum Jugendheim lockt die Beschilderung „Niester Riesen“ zu einem kleinen Abstecher (3 min. Gehweg) in ein romantisches Baumrondell. Auf einer von der Künstlerin Elke Teuber-S gestalteten Hinweistafel ist die Metamorphose der Riesen dargestellt, die der Sage nach an dieser Stelle in die höchsten Bäume des Kaufunger Waldes verwandelt wurden. Noch heute wacht hier der Waldgeist über die Feen, Wichtel und alle anderen Lebewesen des Waldes…
Nach einem kleinen Päuschen auf den Liegebänken unter den beeindruckenden Bäumen geht es zurück zum Märchenlandweg. Das Freizeitheim „Rotte Breite“ bietet Gelegenheit zur Einkehr und zu netten Gesprächen mit den freundlichen Wirtsleuten. Weiter geht es, aus dem Wald hinaus, in Richtung Nieste. Vorbei an der Teichmühle (Forellenzucht mit Verkauf), zwischen Sportplatz und Sporthalle hindurch wandern Sie auf dem Märchenlandweg an der Tennishalle vorbei. Durch den Grenzverlauf zwischen Hessen und Niedersachsen ist die Tennisanlage in einen Hessen und einen Niedersachsenplatz geteilt. Der historische Grenzstein befindet sich am seitlichen Tennisplatz.
Einige Meter weiter, am Bachbett der Nieste, erreichen Sie den Parkplatz an der Kaufunger Straße. Ursprünglich schlängelte sich der Bachlauf aus dem oberen Niestetal durch natürlicheAuenlandschaften. Die Nieste entsteht ca. 8 km in östlicher Richtung aus mehreren Quellbächen. Von drei dieser Quellbäche, der Dürren Nieste, dem Wiessborn und dem Schwarzborn, handelt das Märchen von der „Weißen, der Schwarzen und der Dürren Nieste“, denn in Wirklichkeit sind die drei Quellen verwunschene Mädchen, die das Leben im Wald dem Leben an der Seite eines Ehemannes vorzogen…
Gegenüber sprudelt der Dorfbrunnen unter dem mächtigen „Handwerkerbaum“, der mit seinen gewichtigen Armen die Niester Stände darstellt.
Dorfrundgang:
Es lohnt sich, den markierten Märchenlandweg für einen Abstecher zu verlassen und sich noch ein wenig in Nieste umzuschauen: überqueren Sie die Kaufunger Straße und folgen Sie dem Pfad rechts der Nieste, treffen Sie auf die ehemalige Mühle, ein imposantes Fachwerkhaus aus Eichenbohlen. Frei nach dem von Nieste ausgewählten Märchen „Tischlein Deck Dich“, könnte hier der zweite Sohn nach seiner Lehre den Goldesel erhalten haben.
Begegnen Sie an dieser Stelle zufällig einem Esel, sprechen Sie das Wort „Bricklebitt“ – wer weiß: vielleicht werden Sie reich belohnt?

Sie laufen weiter an der klaren Nieste entlang, begleitet von Bachforellen. Nach 200 m ist die Parkanlage „Bleichwiese“ erreicht. Bänke laden zum Verweilen und Rasten ein. Eine Vielzahl von Fischen, Enten und anderen Lebewesen leben in dieser Ruheoase und lassen sich gerne beobachten. Die Parkaufseher freuen sich über jede Frage und haben Interessantes zu berichten: Um 1800 gab es in Nieste 41 Leineweber und 28 Bleicher, deren Wäsche hier zum Trocknen und Bleichen ausgelegt war. Zurück auf der Kaufunger Straße folgen Sie wieder der Märchenlandweg-Markierung bis zur, in gotischer Bauform errichteten, „neuen“ Kirche (gebaut 1844-1846), die die alte Kirche aus dem 15. Jh. ersetzte. An dieser Stelle endet die heutige Wanderung auf dem Märchenlandweg.

Infos/Kontakt

Märchenlandweg/Deutsche Märchenstraße e.V.:
Kurfürstenstraße 9
34117 Kassel
Tel: 05 61/92 04 79 – 10
Fax: 05 61/92 04 79 – 30

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Streckendaten
Schwierigkeit Normal
Länge 12,2 km
Dauer 4 Std.

 

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