Märchenlandweg Etappe 12: Helsa – Wattenbach

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Wandern auf dem Märchenlandweg Etappe 12#
Von Helsa über Eschenstruth und St. Ottilien nach Wattenbach
Start: Helsa, Rumpelstilzchen-Brunnen
Die heutige Wanderung auf dem Märchenlandweg beginnt im Kern des malerischen Fachwerkdorfes Helsa, am Rumpelstilzchen-Brunnen. Diese Märchenfigur wird Sie noch ein Stückchen auf der heutigen Wanderung begleiten.
Doch nicht nur die berühmte Märchenfigur der Brüder Grimm fühlt sich in Helsa heimisch:
Gleich an zwei Plätzen findet sich ein Denkmal des berühmtesten Helsaer Bürgers Merten Jäger. Am Seitengiebel eines Fachwerkhauses gegenüber der Helsaer Kirche sieht man ein schönes Schnitzwerk aus dem 18. Jahrhundert, welches einen bärtigen Mann darstellt, den Hund und ein Gewehr als Jäger ennzeichnen.

Etwa hundert Meter von diesem Merten-Jäger-Haus entfernt befindet sich der Merten-Jäger-Brunnen- ein Werk der 1920er Jahre, das 1945 zerstört und vor wenigen Jahren wieder neu errichtet wurde. Die Sage erzählt von diesem Merten Jäger, er habe den Helsaern im Dreißigjährigen Krieg eine neue Glocke als Ersatz für die von kaiserlichen Truppen geraubte alte Helsaer Glocke beschafft – durch einen überfall auf kroatische Landsknechte, die zufällig eine Glocke mit sich führten. Diese Glocke hängt noch heute im Helsaer Kirchturm. Als Dank für seine beherzte Tat schenkten die Helsaer dem Merten Jäger eine Mühle im Dorf, die sogenannte Obermühle. (nach Dr. Klaus Peter Rippe, Helsa)

Nun wandern Sie auf der Leipziger- und Berliner Straße an Gemeindeverwaltung und Kirche vorbei und biegen dann nach links in den Sportplatzweg ein. Nachdem Sie die Sport- und Tennisplätze hinter sich gelassen haben, biegen Sie nach rechts ab, queren die Losse und laufen ein Stück nach links an der Eisenbahntrasse entlang, die Sie schließlich überqueren und der Sie dann auf der anderen Seite weiter folgen. Im Anschluss wenden Sie sich wieder nach links und überqueren erneut erst die Schienen und dann die Losse.
Der kleine Bach, auf den Sie dann stoßen, heißt „Rohrgraben“ oder im Volksmund „Kaskaden“.
Dabei handelt es sich, ganz unromantisch, um einen oberirdischen Abwasserkanal des ehemaligen Munitionswerks von Hirschhagen, der natürlich heute nicht mehr in Gebrauch ist. Sie laufen weiter zwischen Wald zu Ihrer Linken und Eisenbahnschienen zu Ihrer Rechten geradeaus. Dabei kommen Sie am Abzweig nach Waldhof vorbei. Diese Siedlung ist ein weiteres Zeugnis eines düsteren Kapitels der Geschichte: Das örtchen wurde im Zweiten Weltkrieg für die Arbeiterinnen des Munitionswerks Hirschhagen angelegt.

Kurz darauf kreuzen Sie die Losse zum dritten Mal und wandern an der Mühle Most vorbei, einer noch vollständig erhaltenen und funktionstüchtige Wassermühle mit langer Vergangenheit: ab 1553 stand hier der Eisenhammer (Schmiede)– anschließend eine Schlagmühle. Die Mühle Most diente zum Mahlen von Korn, später wurde auch eine Bäckerei betrieben. Sie ist heute noch sehr gut erhalten und sehenswert – Geschichte – live !! Erstmals gennannt 1638 – still gelegt 1966.
Dann verlassen Sie das Lossetal und laufen durch die Unterführung unter der B7 hindurch, am Europa-Platz vorbei, nach Eschenstruth hinein. Ob hier heute noch lautes Vogelzwitschern zu hören ist? Der Spitzname der Eschenstruther Bürger, die „Blutfinken“ genannt werden, zeugt von einer beliebten Nebenerwerbsquelle in alten Zeiten, dem Vogelhandel.
Der Märchenlandweg biegt schräg nach links ab, führt an der Kirche vorbei, dann weiter leicht rechts auf den Mühlenweg. Im Dorfgemeischaftshaus ist die Handwebstube auf dem untergebracht Weiter geht es durch Mittelgasse und Konsistorium, bis Sie am alten Friedhof nach links in den Welleroder Weg einbiegen. Auf diesem verlassen Sie nach ca. 200m den Ort, um an der nächsten Kreuzung erneut den linken Weg zu wählen. Auf diesem überqueren Sie das „Männerwasser“, einen kleinen Bachlauf. 1579 hat hier ein Ritter von Meisenbuche einen Schäfer aus Eschenstruth erschlagen, deshalb hieß diese Ritte auch „Meisemänner“, daraus wurde schließlich „Männerwasser“. Kurz nach dem Ortsausgang erinnert ein gemeiselter Stein an diese Tat.

Bis zum Zollstock läuft der Märchenlandweg nun parallel mit dem „Historischen Wanderweg“ mit viel Sehens- und Wissenswertem rund um das Hugenottendorf St. Ottilien. Nun geht es bis St. Ottilien stetig bergauf, durch Wiesen und Felder. In dem kleinen, 1699 als Hugenottenkolonie gegründeten Straßendorf gelangen Sie auf die Hauptstraße, verlassen diese jedoch gleich wieder nach links, überqueren den Besenborn und sind schließlich am Rainchen, dem Dorfmittelpunkt mit Fachwerkkirche angelangt. Diese diente gleichzeitig als Schule und Lehrerwohnung. In welchem Haus des Dörfchens es wohl gespukt haben mag? Es existiert hierzu nur eine kurze Notiz, die da lautet: „In einem Haus in St. Ottilien spukt es. Ein Geist soll dort umgehen.“

Hinter der Kirche wählen Sie den Weg nach rechts und wandern weiter, stets bergan, durch Wiesen und Felder. An der nächsten Kreuzung geht es nach links, auf den Wald zu. Dabei kommen Sie am Fest- u. Bolzplatz Sankt Ottiliens und einer Schutzhütte vorbei. Bevor Sie den Wald betreten schauen Sie sich um und genießen den schönen Ausblick: Hinter sich blicken Sie hinab auf St. Ottilien und Eschenstruth, dahinter auf den Bielstein (528m). Das Gebiet links der Losse / B7 ist der Kaufunger Wald, auf der anderen Seite beginnt bereits Frau Holles Reich, der Meißner. Zu Ihrer Rechten sehen Sie den Königsberg – wer weiß, vielleicht trieb hier einst Rumpelstilzchen sein Unwesen mit der Königstochter?
Im Wald wenden Sie sich nach rechts und laufen auf der „Franzosenstraße“ vorbei am St. Ottilien-Berg.
Nach ca. 10 Minuten erreichen Sie die Sängerbuche mit Schutzhütte und Grillplatz. Hier führen die Sänger von Eschenstruth z.B. an Pfingsten ein Ständchen auf. Nach weiteren 200 m erreichen Sie einen Wanderparkplatz mit Info-Material und der Rumpelstilzchenskulptur, die das Ende des Helsaer Märchenlandweg-Abschnitts anzeigt.

Auf der anderen Seite der L3460 nehmen Sie den rechten, bergauf führenden Waldweg zum Zollstock. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihnen ein wenig mulmig zumute wird: im Gebiet zwischen Eschenstruth und Wattenbach soll es nicht mit rechten Dingen zugehen. Das behaupteten zumindest Burschen aus Eschenstruth, die des nachts von der Kirmes in Wattenbach nach Hause liefen. An ihnen soll ein geisterhafter Leichenzug vorbeigeschwebt sein. Auch soll hier schon eine weiße Frau gesichtet worden sein. Auch ein Kind, das hier starb, geistert des nachts herum und will geküsst, erlöst und mitgenommen werden. Also, nehmen Sie sich in Acht – und meiden diesen unsicheren Ort um Mitternacht…
Bevor Sie erneut die Straße berühren, wandern Sie wieder nach rechts, bis zum sogenannten „Franzosentriesch“: 1762, nach der Schlacht von Wilhelmsthal, machten die Franzosen hier rast auf dem Wege nach Bebra. An der fünfachsigen Wegekreuzung wählen Sie den zweiten Weg von links. Sie kommen an einem ehemaligen Zechengelände vorbei und erreichen kurz darauf den Waldrand, an dem Sie noch ein Stückchen entlang laufen. Schräg vor sich sehen Sie bereits Wattenbach, das Ziel der heutigen Wanderung.

Es geht nun stetig bergab: Nachdem Sie einen Parkplatz passiert haben, biegt der Märchenlandweg nach links ab und führt dann hinab bis nach Wattenbach hinein. An der Wattenbacher Kirche endet die Wanderung auf dem Märchenlandweg. Suchen Sie nach der eingemeißelten Rübe im Kirchenportal, einen großen weißen Stein, der aussieht wie eine Rübe. Damit hat es folgendes auf sich: Die Gesellen, die im 18. Jh. die Kirche erbauten, erlaubten sich damit einen kleinen Scherz hinsichtlich der etwas einseitigen Verpflegung, die ihnen angediehen wurde: die Bauarbeiter wurden reihum von den Wattenbacher Bürgern verköstigt. Da in diesem Jahr die Rübenernte vorzüglich ausfiel, bekamen die Gesellen jeden Tag weiße Rüben zu essen… Der Spitzname der Wattenbacher lautet seither „Rübenesser“.

Infos/Kontakt

Märchenlandweg/Deutsche Märchenstraße e.V.:
Kurfürstenstraße 9
34117 Kassel
Tel: 05 61/92 04 79 – 10
Fax: 05 61/92 04 79 – 30

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Streckendaten
Schwierigkeit Normal
Länge 13,4 km
Dauer 4 Std.

 

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