Märchenlandweg Etappe 28: Ahnatal – Zierenberg

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Wandern auf dem Märchenlandweg
Streckenbeschreibung Nr. 28

Ahnatal – Hoher Dörnberg – Zierenberg Start: Gasthaus Ahnetal
Im Gasthaus Ahnetal können Sie sich nicht nur vor der folgenden Wanderung stärken, sondern auch die Kaiserpuppe betrachten: Der 1900 erbaute Gasthof hatte einst prominente Besucher: Zur Kaiserzeit wurde hier im Sommer gelegentlich eine „kaiserliche Polizeistation“ eingerichtet. Die Gendarmen mussten den Reitweg der kaiserlichen Familie abriegeln, der in nicht allzu großer Entfernung im Habichtswald verlief. Die Kaiserpuppe im Gastraum ist eine Kopie, die Originalpuppe befindet sich im Stadtmuseum Kassel. Sie erinnert an die guten Beziehungen zum Herrscherhaus. Gastwirtstochter Elisabeth Iske hatte sie im Jahre 1906 von Kaiserin Auguste Victoria geschenkt bekommen, nachdem das Mädchen der letzten deutschen Kaiserin zum Geburtstag gratulierte.
Am Gasthaus überqueren Sie die B 251, gehen über den Parkplatz und biegen nach ca. 80 m rechts ab in einen Fußweg, der parallel der B251 durch den Wald führt. Sie gelangen an eine scharfe Kehre der B 251, die Sie hier erneut vorsichtig überqueren.
Am Scheitelpunkt führt ein Forstweg in den Wald hinein, der sich nach ca. 120m gabelt. Sie wandern nach links und nach ca. 50 m erneut nach links. Nun befinden Sie sich auf einem schönen Waldweg, der zunächst eben, dann bergan verläuft. Kurz darauf erreichen Sie den Waldrand und erblicken die eigentümlich anmutende Landschaft um sich herum: zahlreiche Hügel, teils bewaldet, teils unbewaldet. In dem Waldstück, an dem Sie nun weiter entlang wandern, befindet sich der Hohlestein, den Sie jedoch von hier aus nicht zu Gesicht bekommen, da seine obere Kante sich ungefähr auf Höhe der Baumwipfel befindet.
Schräg links vor sich sehen Sie den Hohen Dörnberg, auf den Sie heute zumindest teilweise hinaufwandern werden. Das gesamte Gebiet rund um den Dörnberg gehört sicherlich zu den magischsten Wanderzielen Nordhessens.

Spüren Sie schon die Ruhe und Kraft, die von ihm ausgeht? Schon bevor Sie den eigentlichen Felsen erreichen, sehen Sie Basaltsteine am Wegesrand, sozusagen Vorboten des Hohlen Steines.
Der Märchenlandweg führt nun ein Stück auf der Wiese am Waldrand entlang, weiterhin leicht bergauf. Plötzlich stehen sie vor dem eindrucksvollen Hohlestein, einem ca. 30 m hohen, senkrecht nach oben ragenden Basaltfelsen. Diesen umrunden Sie auf seiner linken Seite, bis Sie an Wallanlagen gelangen. Bei trockenem Wetter können Sie ihn von etwa hier aus – auf eigene Gefahr – erklimmen – Sie sollten jedoch absolut schwindelfrei sein! Oben angekommen bietet sich Ihnen ein atemberaubender Blick über die Baumwipfel hinweg. Die einzigen Geräusche sind das Rauschen der Bäume und der Gesang der Vögel – ein Ort, an dem Sie zu tiefer Ruhe gelangen können – und ein Ort, der nachweislich schon in frühmenschlicher Zeit genutzt wurde. Unter Umständen handelt es sich um eine heidnische Kultstätte, möglich wäre auch eine Deutung als spätmittelalterliche Eisenerzabbaustätte.
Eigentümlich ist in jedem Fall die quadratische öffnung in der Mitte des Felsens, die meist mit Wasser gefüllt ist. Nachdem Sie wieder glücklich unten angekommen sind, können Sie sich in der Schutzhütte erholen – oder Sie wandern gleich weiter auf dem Märchenlandweg, der noch ein Stückchen am Waldrand entlang läuft – dann an der nächsten Kreuzung aber nach rechts auf einem Forstweg in den Wald hinein führt.
Nach ca. 500m gelangen Sie an eine Lichtung mit Quelle und Bach, an dieser wandern Sie vorbei. Nach weiteren 500m durch den Wald verlässt der Märchenlandweg den Forstweg und biegt nach links ab, den Dörnberg hinauf. Sie verlassen den Wald, wandern noch ein Stück am Waldrand entlang und gelangen bei den Gebäuden der Segelflieger auf die kleine Zufahrtsstraße zum Dörnberg. Diese überqueren Sie und finden den Eingang durch ein Gebüsch hindurch auf das Segelfluggelände – übrigens das älteste Hessens. Nun befinden Sie sich am Rande der eindrucksvollen Kalkhalbtrockenrasenfläche des Dörnbergs, vielleicht Aug´ in Aug´ mit einigen der Kühe, die die Fläche beweiden – und sich so gar nicht am Segelflugverkehr zu stören scheinen. Zu Ihrer Linken sehen Sie die steile Erhebung, auf der sich die Helfensteine befinden, Basaltfelsformationen, die teilweise besteigbar sind. Nehmen Sie in jedem Fall die Mühe auf sich, dort hinauf zu wandern: der Ausblick ist atemberaubend und reicht von den Ausläufern Kassels südöstlich über Ahnatal und Calden im Osten, nördlich davon auf Grebenstein mit Burgruine und dahinter den Reinhardswald. Im Norden überblicken Sie das Segelfluggelände und etwas weiter links den Rand Zierenbergs, im Westen sehen Sie auf den Großen Gudensberg und den Großen Bärenberg sowie südlich davon auf Burghasungen mit dem zugehörigen Burgberg.
Ein Besuch des Dörnbergs mit oben genanntem Ausblick lohnt sich besonders in lauen Sommer-Vollmondnächten – in einer Johanninacht soll sich die Sage zur Wichtelkirche zugetragen haben. Diesen weiteren Basaltfelsen erreichen Sie, wenn Sie dem Märchenlandweg ein Stück weiter folgen: Von den Gebäuden der Segelflieger, unterhalb der Helfensteine entlang, geht es geradeaus bis zum Rande des Plateaus. Legen Sie sich auf den Boden und hören Sie genau hin: Hören Sie das emsige Treiben des Wichtelvolks im Berg? In früheren Zeiten kam das kleine Volk regelmäßig an die Oberfläche des Berges – bis der Wichtelkönig eine Maid aus Zierenberg ehelichen wollte. Zuerst willigte diese in die Trauung ein – und die Wichtel bauten ein Kirchlein aus Kristall. Die Zeremonie fand um Mitternacht in einer Johanninacht statt. Im letzten Moment bekam es Gotelind, die Braut, mit der Angst zu tun und verweigerte das Ja-Wort – woraufhin die Kristallkirche mit einem Schlag in Stein verwandelt war…
Sie wandern auf der linken Seite der Wichtelkirche hinunter ins Tal und biegen an der Stelle, an der Sie an einen befestigten Weg und gleichzeitig an den Heilerbach gelangen, im rechten Winkel nach rechts ab. Nun wandern Sie am unteren Rand des steilen, mit einzelnen Büschen bewachsenen Hanges des Dörnberges entlang. Nach ca. 1 km biegt der Märchenlandweg nach links ab und gelangt an eine Kreuzung. Sie wählen den befestigten Weg nach rechts, dann biegen Sie erneut nach rechts ab und laufen nun auf Zierenberg zu. Vor der Bahnlinie geht es nach links, ein kurzes Stück an ihr entlang und dann unter dem Viadukt hindurch. Danach laufen Sie wieder nach rechts, um sich hinter den ersten Gebäuden Zierenbergs erneut nach links zu wenden. Danach überqueren Sie die Warme und laufen schließlich nach Zierenberg hinein. Folgen Sie dem Märchenlandweg- bis zum Marktplatz des Fachwerkstädtchens Zierenberg – nun sind Sie am Ziel dieser Etappe angelangt.

Lohnenswert ist der Besuch der gotischen Stadtkirche (erbaut um 1300) mit ihren Kalk-Secco-Malereien aus dem 14. und 15. Jh. Vom Turm aus haben Sie einen vorzüglichen Blick auf Zierenberg und seine mittelgebirgige Umgebung: im Osten blicken Sie zurück auf den Hohen Dörnberg mit den „Helfensteinen“. Nördlich davon erkennen Sie den Großen Schreckenberg (460 m), im Westen befinden sich die Gudenberge (569m). Von hier aus soll einmal der wilde Jäger auf seinem schneeweißen Ross und mit hunderten von Hunden durch die Luft gebraust sein… Im Süden erblicken Sie den Großen Bärenberg (599 m).
Auf dem Marktplatz Zierenbergs befindet sich außerdem das sehenswerte historische Rathaus: Hessens ältestes noch erhaltenes und genutztes Fachwerkrathaus, erbaut 1450.

Infos/Kontakt

Märchenlandweg/Deutsche Märchenstraße e.V.:
Kurfürstenstraße 9
34117 Kassel
Tel: 05 61/92 04 79 – 10
Fax: 05 61/92 04 79 – 30

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Streckendaten
Schwierigkeit Normal
Länge 9 km
Dauer 3 Std.

 

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