Ortler – Eistunnel zur Hohen Schneid

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Der Ortler war mit 3905 m der höchste Gipfel der K.u.k.-Monarchie. Heute gehört das Ortlermassiv zu Italien (Südtirol) und wird im Osten durch das Sulderbachtal und im Westen durch das Trafoier Tal eingefasst, von wo aus die SS 38 über das Stilfser Joch – Passo dello Stelvio – nach Norditalien führt. Im Süden schließt sich eine zur Ortlergruppe gehörende Gebirgskette an, die durch Gipfel wie die Königsspitze – Monte Zebru – 3735 m, die Thurwieserspitze – Punta Thurwieser – 3658 m, die Trafoier Eiswand, 3563 m, sowie die Hohe Schneid – Monte Cristallo – 3439 m ihr Gepräge erhält. An den dem Ortler zugewandten Nordhängen dieser Berge gab es vor hundert Jahren noch ausgedehnte Gletschergebiete wie den Vitelliferner, den Madatschferner oder den Trafoier Ferner. Davon ist heute leider nicht mehr sehr viel übrig.Viele der südlich des Ortlermassivs gelegenen Gipfel waren im Kriegsjahr 1917 von den Italienern besetzt. Für die Österreicher war es von entscheidender Bedeutung, hier Boden gut zu machen, wollten sie den Durchbruch über die Pässe verhindern. Die Hohe Schneid, 3431 m, heute Monte Cristallo, war als westlichster Gipfel unmittelbar gegenüber dem Stilfser Joch, 2757 m, von strategischer Bedeutung, weil von hier aus der Zugang zu diesem hohen Alpenpass kontrolliert werden konnte. Um sich den auf dem Gipfelgrat in Stellung liegenden italienischen Alpini unbemerkt zu nähern, beschlossen die Österreicher, sich entlang der Nordflanke durch das damals geschlossene Eisfeld zu bohren.
In monatelanger, mühevoller Arbeit wurde durch das Gletschereis ein Tunnel getrieben, der schließlich ca. 2.000 m lang war. Um die Arbeiten gegenüber den Italienern verborgen zu halten, waren ganz besondere Vorsichtsmaßnahmen nötig. Sprengungen waren völlig ausgeschlossen, weil diese im hellhörigen Eis sofort aufgefallen wären. Ebenso kam keinerlei maschinelle Unterstützung in Betracht, der Eistunnel musste in Handarbeit vorangetrieben werden. Ein Problem war der „Abraum“, also das Eis, das zwangsläufig aus dem Tunnel heraus gebracht werden musste. Glücklicher Weise gab es neben Gletscherspalten auch für den Gegner nicht einsehbare Stellen, an denen das Eis nach draußen befördert werden konnte. Eine besondere Schwierigkeit war die verbrauchte Luft im Vortrieb, war doch Frischluftzufuhr erst wieder möglich, wenn ein verborgenes Lichtfenster eröffnet werden konnte.
In Gipfelnähe stießen die Tunnelbauer unversehens auf eine mit magischen Lichteffekten verzaubernde Kristallgrotte, eine riesige überdeckte Gletscherspalte. Bizarre Eisgebilde, riesige, eigenartig geformte Eiskristalle und wie Fabelwesen aussehende Skulpturen fesselnden die Österreicher.
Am 17. März 1917 war der Tunnel so nahe an die Italiener heran getrieben worden, dass nur noch eine dünne Eisschicht die Kontrahenten trennte, ohne dass sie das gemerkt hätten. Plötzlich brach ein Alpini durch das Eis und landete mitten unter den Österreichern. Diese fackelten nicht lange, sondern nutzten die oben bei den Italienern entstandene Überraschung für einen vorzeitigen Ausbruch aus dem Tunnel. Der Coup gelang, die Gegner flohen zum Teil durch den eigenen Zugangsstollen auf der Südseite, zum Teil auch über die offene Eisfläche, während etwa ein Dutzend über den Südhang der Hohen Schneid abstürzten und den Tod fanden.

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Streckendaten
Schwierigkeit Anspruchsvoll
Länge 13,5 km
Dauer 6 Std.

 

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