Reisebericht Norwegen – Tag 12 und 13

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Tag 12

Ich war zu müde um aufzustehen. Die Sonne brannte durch die Zeltwand. Ich schlief am längsten. Und die Hitze durchsetzte meine Haare. Die anderen frühstückten schon. Der Boden erwärmte sich, keine frische Luft, der heiße Schlafsack wurde Teil der Luft im Zelt wie alles andere auch. Felix? Alles formte sich zu einer heißen Masse und ich schwamm in ihr. Felix? Morgen. Der Reißverschluss wurde zur Pforte der Freiheit. Mit einem Mal atmete ich meine überhitzten Lungen frei. Vier Scheiben Vollkornbrot mit Hühnchensalat dekoriert und ein Becher Milch speisten meinen Kreislauf, ein Morgenritus.

Wikipedia sagt: „Die Trolltunga (deutsch „Trollzunge”) ist ein horizontaler Felsvorsprung in Norwegen, der rund zehn Kilometer nordöstlich von Odda am Sørfjord liegt. Bei diesem Fels handelt sich um eine rund 10 Meter lange Nase, die sich mit einer Höhe von fünf Metern an ihrem Beginn bis auf wenige Zentimeter an der Spitze verjüngt. Der Felsvorsprung befindet sich rund 700 Meter über dem künstlich angelegten Stausee Rignedalsvatnet.“ Die Wanderung dorthin ist 11 km lang, führt verschneit über 1200 Höhenmeter zu einem unvergleichlichen Aussichtspunkt, verursachte aber im letzten Jahr 70 Rettungseinsätze. Ich beschloss entgegen der Beschlüsse meiner Miturlauber Trolltunga nicht zu besteigen (Not). Stattdessen würde ich den Tag in Odda verbringen (Elend). Doch das Blatt wandte sich. Sonntags Trolltunga zu besteigen erfordert eine Taxifahrt. Außerdem müssen Sonnenbrillen, schneedichte Schuhe und Hosen zur Verfügung stehen. In der Summe zu teuer mussten wir der Trolltunga Route also den Rücken kehren. Auch Odda verließen wir. Hier hielt uns nichts, große Entfernung vom Zentrum zum überteuerten Campingplatz, alte Fabrikgebäude und dreckige Fassaden, der Ausblick auf die Fjordlandschaft irritiert von Baustellen  und Industrie, kaum Touristen. Ich möchte es so formulieren. Odda sitzt im Unterricht in der Schule, schläft wie gewöhnlich ein, stützt sich mit dem Tourismusarm auf dem Schreibtisch ab. Die Augen fallen zu. Irgendein Mitschüler macht sich den Spaß dem schlafenden Odda den Arm unter dem Kopf wegzuziehen und der Kopf stürzt wie ein Stein hinunter auf die Tischplatte. Odda begutachtet das Ergebnis im Spiegel. Gehirnerschütterung, ein blutige Nase und ein verrenkter Arm. Unser Weg führte uns zurück nach Kinsarvik, nach Hause. Wir bauten unser Zelt neu auf, spielten Basketball, duschten, aßen und schlafen.

Tag 13

Zwar nahmen wir uns vor entlang des Fjordes zu wandern. Allerdings öffnete die Touristeninfo nicht was einen Ruhetag unsererseits zur Folge hatte. Wir spielten also etwas Basketball an der nahegelegenen Schule, mehr nicht.

Diese Attraktionskargheit nehme ich nun zum Anlass ein paar Tipps für alle zukünftigen Norwegentouristen, basierend auf unseren Erfahrungen, aufzustellen.

1. Alles ist teuer. Vor Allem alkoholische Getränke. Jene nach Produkt bezahlt man mehr als das doppelte.

2. Auch im Sommer liegt Schnee. Die Nächte sind selbst bei hohen Temperaturen während des Tages sehr kalt.

3. Wer wandern will muss Höhenmeter machen. In Verbindung mit 2. heißt das, dass das Wandern durchaus zur Tortur werden kann und vorher auf jeden Fall Rücksicht auf Körper und Proviant genommen werden sollte.

4. Wer nur Städte sieht, sieht Norwegen nicht. Schon bei der ersten längeren Busfahrt wurde uns klar, dass die Landschaft in ihrer Weise unübertrefflich ist. Es ist wichtig den Kontext der eigenen Landschaftsbetrachtung zu kennen.

5. Im Reisebus gibt es kostenfrei einen Internetzugang.

6. Die vier Wasserfälle nahe Kinsarvik sind absolut empfehlenswert, über füllte Touristenattraktionen wie Preikestolen müssen nicht unbedingt besucht werden um ein Bild der Natur zu erhalten.

7. Ein Wanderrucksack kann sehr schwer werden.

Wir wussten um unsere begrenzte Zeit in Kinsarvik und ließen uns zu Abend von der campingplatzexklusiven Imbissküche durch einen schmackhaften Cheeseburger verführen. Die letzte Nacht im Zelt brach an. Der dünne Boden und die dünnen Wände des Zeltes ließen mich noch unmittelbarer die Natur spüren.

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Streckendaten
Schwierigkeit Anspruchsvoll
Länge 22 km
Dauer 10 Std.

 

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