Reisebericht Norwegen – Tag 3

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So harmlos, wie er begann sollte er nicht enden. Das nur vorweg. Wir standen auf, frühstückten das übliche und drehten solange an der Weltkugel, bis das Busterminal vor uns thronte. Wir bezahlten 4 mal 400 Kronen für vier Stunden WLAN-unterstützte Fahrt von Oslo in das nördlichere, an einem Fjord gelegene Lærdal. Der Bus durchquerte Landschaften mit Bergen, Fjorden, Wäldern, sogar vereisten Seen und verschneiten Hochebenen. Alles wirkte sehr naturbelassen und reiseprospektgetreu. Aber mit der Zeit wurde mir bewusst, dass sich unser Wandertrip wohl an Fjorden also zwangsläufig auf Bergen und Hochebenen abspielen muss. Dieses Bewusstsein machte mich sehr stutzig. Weder war ich auf Kälte noch auf Höhe bezüglich meiner Kleidung und Physis (und Psyche) vorbereitet. Während der letzten halben Stunde der Busfahrt grinste mich ein zugefrorener See an als würde er wissen, dass er Teil eines Urlaubs sein könnte, den ich mir anders ausgemalt habe… Die Abfahrt drückte auf die Ohren, die Stimmung aber verschonte sie damit. Denn Lærdal liegt im Tal und an einem bemerkenswert unerschütterlichen Fjord. Unser Ziel war es, von hier aus mit zwei übernachtungen nach Aurlandsvangen zu wandern. Angekommen ging es aber zunächst in den örtlichen Supermarkt. Während Alex auf die Rucksäcke aufpasste, kauften Jan, Marvin und ich im Supermarkt ein. Bei mir standen Müsliriegel, Rahmnudeln und äpfel auf dem Kassenzettel. Ziemlich anders sahen die der anderen nicht aus. Als wir im Touristenbüro nach der ungefähren Dauer unserer geplanten Route erkundigten wurde uns vom vermutlich gleichaltrigen Praktikanten ein „That’s impossible“ entgegnet. Nach langen internen Diskussionen entschieden wir uns für eine alternative Route, die ca. 6 Stunden in Anspruch nehmen und auf eine Höhe von 900m ansteigen sollte. Da es schon Nachmittag war entschlossen wir uns, bei Erreichung des Gipfels dort zu zelten und am nächsten Morgen die Strecke inklusive Abstieg fortzusetzen. Eine Strecke von 2,5 km zu wandern mag mit 15 kg Gepäck zu bewältigen sein. Ist es allerdings notwendig, dabei 900 m in die Höhe zu steigen entwickelt sich der Anstieg für alle von uns zu einer Tortur. Ich habe geschwitzt wie noch nie zuvor. So kommt also das Wasser in die Fjorde… Der Pulli war nass. Zudem wurde es je höher wir uns befanden und je später es wurde wesentlich kälter. Das Erreichen des Gipfel und mit ihm der Schneegrenze erschien uns allen wahnsinnig. Es ist für mich eine neue Kategorie Gefühl nach einer solchen Anstrengung den Blick über alle Täler im Umkreis von 100km schweifen zu lassen zu können in dem Wissen und mit dem Stolz jeden Meter hart erkämpft zu haben. Außerdem kam der kalte Wind den Schweißausbrüchen sehr gelegen. Ein Zeltplatz mit nahegelegenen Bächlein fand sich, sodass am Campingkocher bei großer Kälte und großem Hunger zu Abend gegessen wurde.

Grade gegessen, schief gelegen. Die Rahmnudeln wurden in mehr oder weniger frischem Schmelzwasser eines in der Nähe gelegenen Baches gekocht. Sie haben ganz gut geschmeckt und stillten unseren Hunger allemal. Außerdem gab es noch Brot und Müsliriegel. Im Bach wuschen wir dann unser Geschirr und uns selbst, um früh schlafen zu gehen. Es war kalt und ungemütlich, aber auf irgendeine Art und Weise auch sehr familiär. Der allgemeine Stolz den Berg bestiegen und das schwerste Stück gemeistert zu haben wich aber einer Art Heimweh. Ich vermisste die Sicherheit, Hygiene und Geborgenheit, die mir meine heimische Umgebung, Familie und Freunde geben können. Es ist ein bedeutsamer Luxus einen festen und geschützten Wohnsitz mit funktionierenden Sanitäranlagen zu haben und gleichzeitig weder Kälte noch Nässe befürchten zu müssen. Zudem war der Boden auf dem unser Zelt stand uneben, sodass ich nur sehr schlecht, aber mit Vorfreude auf das Frühstück am kommenden Morgen Schlaf fand.

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Streckendaten
Schwierigkeit Normal
Länge keine Angabe
Dauer keine Angabe

 

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