Märchenlandweg Etappe 5: Hann. Münden – Knickhagen

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Wandern auf dem Märchenlandweg Streckenbeschreibung Nr. 5
Hann. Münden, Weserstein – Tillyschanze – Wilhelmshausen – Knickhagen
Ausgangspunkt für diese Wanderung ist der Weserstein am Tanzwerder, 1899 durch die Fabrikanten Carl Natermann (Vater und Sohn) gestiftet und mit dem bekannten Spruch versehen: „Wo Werra sich und Fulda küssen, sie ihren Namen büßen müssen, und hier entsteht durch diesen Kuss deutsch bis zum Meer der Weserfluss.“

Bitte beachten Sie, dass der Märchenlandweg aus Denkmalschutzgründen im Hann. Münder Stadtgebiet nicht ausgeschildert ist. Deshalb folgen Sie den Hinweisschildern zur Tillyschanze.

Vom Weserstein aus überqueren Sie die Fulda auf der Hängebrücke. über den Fischerweg erreichen Sie die Veckerhäger Straße, biegen nach rechts und erreichen nach einigen Schritten auf der linken Seite einen Waldweg.

Nach ca. 30 min. Fußmarsch auf diesem gewundenen, recht steil ansteigenden Weg erreichen Sie die Tillyschanze. Hier erwartet Sie als Belohnung für die Anstrengung ein grandioser Ausblick über die Höhenzüge des Reinhardswalds, des Kaufunger-Walds, des Bramwalds sowie über die beeindruckende Altstadt Hann. Mündens.
Hier oben auf der Tillyschanze betreten Sie eine einmalige Gemeinde in Deutschland: der Forstgutsbezirk Reinhardswald liegt mitten im Reinhardswald, an der niedersächsischen Grenze und ist mit 183 km² Hessens zweitgrößte Gemeinde, die jedoch nur von zwei Einwohnern bewohnt wird: dem Gastwirtspaar Marlies und Reinhold auf der Tillyschanze

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Einige Besonderheiten:
1. Die Gemeinde, die zum Landkreis Kassel gehört, hat keine Postleitzahl. 2. Es ist wohl die einzige Gemeinde in Deutschland, die keinen Bürgermeister wählen kann. Hoheitliche Aufgaben übernimmt das Forstamt.
3. Bei Bundes- und Landtagswahlen liegt die Wahlbeteiligung bei 100 %. Welche Gemeinde in Deutschland kann das von sich behaupten?.
Der Name “Tillyschanze” rührt von der Belagerung und Erstürmung der Drei-Flüsse-Stadt Hann. Münden im Dreißigjährigen Krieg her. Angeblich soll der Freiherr der Katholischen Liga, Johann Tserclaes Graf von Tilly, 1626 dort seine Kanonen aufgestellt haben, mit denen die Bresche in die Stadtmauer beim Mühlentor geschossen wurde. Die Mündener nennen den burgenartigen Turmbau auf dem Rabanenkopf daher liebevoll „Tillyschanze“.
Wir verdanken den Aussichtsturm der Initiative und der Tatkraft dreier Männer, die 1880 als Mitglieder des zwei Jahre zuvor gegründeten Verschönerungsvereins den Plan fassten, auf dem Rabanenkopf einen Turm zu bauen und daraufhin zum “Turmbaukomitee” zusammentrafen: der städtische Oberförster Heinrich Doerr, der Fabrikant Adolph Natermann und der Klempnermeister Georg Fischer.
Der Turm der Tillyschanze ist auf historischem Boden gebaut worden. Wie man im Tillyschanzenführer von 1885 nachlesen kann, hat hier einst die Hesseburg gestanden, ein Münden-feindliches Bollwerk. Sie musste 1306 infolge kaiserlichen Schiedsspruches abgebrochen werden. Auch im Siebenjährigen Kriege sowie in den Befreiungskriegen gab es mehrfach Beschanzungen auf dem Rabanenkopf, um die Zugangsstraßen und Flussübergänge freizuhalten.
Nachdem Sie sich gestärkt und die Aussicht genossen haben, führt Sie der Märchenlandweg weiter in Richtung Fuldatal-Wilhelmshausen. Nach ca. fünf Minuten erreichen Sie die Katerquelle. Das Wasser dieser Quelle wurde bis 1994 als Wasserversorgung der Waldgaststätte benutzt.

Der auf diesem Streckenabschnitt gut begehbare Weg führt nun bis zum Waldrand; kurz vor dem Parkplatz des Evangelischen Vereinskrankenhauses Hann. Münden biegen Sie rechts ab. Hier verläuft der Märchenlandweg nunmehr als kleiner Pfad zwischen den Bäumen und führt in den Reinhardswald zurück. In der Rechtskurve stoßen Sie auf den Ort, an dem 1443 die erste Glashütte des Reinhardswaldes errichtet wurde. Von den Gebäuden ist leider nichts mehr zu erkennen. Nach einiger Zeit gelangen Sie an einen Grenzstein (hessisch-niedersächsische Grenze).

Von hier aus geht der Wanderweg linker Hand steil bergab. Haben Sie diesen Abstieg erfolgreich gemeistert, werden Sie mit einen gut begehbaren Weg und dem Ausblick auf die Fulda und den Ort Bonaforth, auf der anderen Fuldaseite gelegen, belohnt.

An der Stelle, an der sich heute die Schleuse befindet, diente in alten Zeiten eine mit Bohlen gesicherte Furt zur überquerung des Flusses, die sogenannte Fuldafurt Bollenförde.
Nach ca. 20 weiteren Minuten kreuzt der Pfad den Rundweg Nr. 3. Hier biegen Sie links ab und gehen jetzt parallel zum Rattbach, welcher linker Hand im Tal idyllisch dahinplätschert. Im Rattbachtal lag einst das Dorf „Rattbach“, das wahrscheinlich schon 990 als Hrethon in pago Hassia erwähnt wird. Bachaufwärts liegen zwei weitere Wüstungen. Verlassen wurden diese sicherlich nur aus wenigen Hütten bestehenden Orte vermutlich bereits während des Mittelalters, weil sich deren Bewohner in unsicherer Zeit zum Schutz in die Städte zurückzogen. Erst vor wenigen Jahren konnten die Siedlungsplätze und vor allem die dazugehörende Ratterkirche lokalisiert werden.
Ca. weitere 20 Minuten später kommen Sie an einen Parkplatz. Am Parkplatz überqueren Sie eine Steinbrücke über den Rattbach und folgen der Asphaltstraße, welche in weitem Bogen steil nach links verläuft. Nach ca. 10 Minuten verlässt der Märchenlandweg die Straße und folgt links einem schmalen, steilen Waldweg. Nach diesen ca. 5 anstrengenden Minuten, erreichen Sie einen breiten Weg in gutem Zustand. Sie biegen links ab und erreichen auf diesem Weg nach ca. 10 Minuten den Wanderparkplatz Elsterbach (an der B3 gelegen). Kurz vorher lohnt der Blick auf eine uralte Buche rechter Hand des Weges. Die Waldlandschaft geht hier in eine ländliche Gegend mit Feldern, Obstwiesen und Bienenstöcken über. Beim Elsterbach-Parkplatz überquert der Märchenlandweg die B3.
Von dort aus folgen Sie dem Weg rechter Hand in Richtung Wilhelmshausen. Etwa 10 Minuten lang können Sie den herrlichen Blick über die Fulda genießen, dann haben Sie Wilhelmshausen erreicht. Keimzelle Wilhelmshausens ist das um 1140 von Kaiser Konrad III. und dem Erzbischof von Mainz gegründete Nonnenkloster Wahlshausen. Ab 1310 wurde es in ein Zisterzienser-Männerkloster umgewandelt, das 1527 aufgehoben wurde. Landgraf Wilhelm IV. verwendete das Klostergut zur Anlage des nach ihm benannten Dorfes.
Das einzige von den Klostergebäuden noch erhaltene Bauwerk ist die ehemalige Klosterkirche „St. Maria“, in der 1239 Graf Bardo von Sichelnstein beigesetzt wurde. Wer die romanische Basilika besichtigen möchte, erhält den Kirchenschlüssel gegenüber im Gasthaus „Zum Reinhardswald“. Falls Sie in Wilhelmshausen des Nachts größere Mengen Erbsen auf einem Hof erblicken sollten, seien Sie vorsichtig; vielleicht hat hier der Teufel seine Hände im Spiel…
Der Märchenlandweg führt durch die Uferpromenade in Richtung Kassel und zweigt am Ortsende, beim Bootshaus der Uni Göttingen auf den Knickhager Weg ab. Der Weg führt dann durch die Feldgemarkung in Richtung Knickhagen. Im Jahre 1980 wurde eine alte Schleuse abgebaut und durch die neue Schleuse mit einem überweg ersetzt. Vorher, seit 1895, verkehrte hier eine Fulda-Fähre, die auch von Wanderern benutzt wurde.
Ab Ortsausgang Wilhelmshausen verläuft der Märchenlandweg ca. 500 m parallel zur B 3 – und parallel zur Fulda. Danach biegt er unter stetigem Anstieg nach rechts ab und verläuft nach weiteren 500 m wieder nach links. Seit Wilhelmshausen befinden Sie sich im offenen Feld, so dass Sie einen guten Ausblick auf das Fuldatal haben. Schräg links vor sich erblicken Sie auf der anderen Fuldaseite einen alten Wartturm, die „Bramster Warte“ (Bram=Grenze). Dieser konnte einst durch eine Furt durch die Fulda erreicht werden.
Schräg links unter sich, an der Straßenkreuzung, sehen Sie die Spiegelmühle, eine der vier Knickhager Mühlen. Diese Mühle hat eine wechselvolle Geschichte: Ab 1591 stand hier eine Eisenhütte, die 1616 in landgräflichen Besitz kam, um 1661 erneuert und nun „Wilhelmshütte“ genannt wurde. Im Jahre 1660 z.B. wurden in dieser Hütte 2960 vierpfündige Kanonenkugeln hergestellt. Die Qualität des Eisens war aber zunächst nicht befriedigend. Das Erz kam aus dem Raum Speele/Knickhagen und wurde später durch Erz aus Hohenkirchen ersetzt, das zuvor in Holzhausen gewaschen worden war. Außerdem wurde Erz aus Marbach / Homberg und aus Fischbach im Kellerwald herangeholt.
Die „Wilhelmshütte“ wurde 1666 stillgelegt und eine neue modernere Hütte in Veckerhagen errichtet. In den Gebäuden der alten Hütte wurde von 1699 bis 1740 eine Spiegelglashütte mit Arbeitern aus Schottland betrieben. Die Schotten waren zur damaligen Zeit Spezialisten in der Glas- und Spiegelherstellung. Untergebracht waren sie in Arbeiterhütten auf der Wiese hinter der Spiegelmühle. In Knickhagen hergestellte Spiegel hängen u. a. in Versailles. Heute dient die Spiegelmühle als Wohnhaus.

Wenden Sie sich nach rechts, fällt Ihr Blick auf die Untermühle am Osterbach. Eine ehemalige landgräfliche Eisenhütte. An der Aussenwand des alten Backhauses hat der heutige Eigentümer die Geschichtsdaten der Mühle niedergeschrieben. Diese Mühle hat, im Gegensatz zur Spiegelmühle zwar noch ein Mühlrad, ist aber auch nicht mehr in Betrieb und dient ebenfalls als Wohnhaus.
Rechts vom Weg taucht ein kleines Wäldchen auf. Unmittelbar danach überqueren Sie die K 40 und kurz darauf den Osterbach. Der Märchenlandweg biegt nach ca. 150 m nach rechts ab und verläuft parallel zum Bach, bis Knickhagen. Hier befanden sich die anderen zwei Mühlen Knickhagens, die Mittelmühle und die Obermühle. Die Obermühle stand gegenüber dem Gasthaus „Zum kühlen Grund“ und die Mittelmühle am Ortseingang (von der B3 aus gesehen). Beide Mühlen sind heute nicht mehr als solche zu erkennen, da sie vor etwa 40 Jahren für Wohnzwecke umgebaut wurden. Der Name Knickhagens kommt übrigens von „Knick“, der schon im 8. Jahrhundert. erwähnten Landwehr.

Infos/Kontakt

Region Kassel Land e.V.:
Raiffeisenweg 2
34466 Wolfhagen
Tel: +49 (0)569298732-60
Fax: +49 (0)569298732-61

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Streckendaten
Schwierigkeit Normal
Länge 9,7 km
Dauer 3 Std.

 

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