Der Gotthard

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Ein Blick auf die Landkarte genügt: Der direkte Weg von Deutschland nach Italien führt über den Gotthard! Neben dem weiter östlich gelegenen Brenner ist der Gotthardpass seit dem Mittelalter die wichtigste Verkehrsverbindung in Nord-Süd-Richtung. Benannt nach dem heiligen Godehard von Hildesheim gehört der Passo del San Gottardo – so die italienische Bezeichnung – mit 2.106 Metern zu den eher angenehmeren Alpenübergängen, wobei der Brenner mit nur 1.370 noch erheblich günstiger wegkommt.

„Salonfähig“ als Pass wurde der Gotthard erst, nachdem die nördlich gelegene Schöllenenschlucht gangbar gemacht und in der Folge im 13. Jahrhundert ein Saumweg angelegt wurde, der bis zu 3 Meter Breite erreicht und über weite Strecken mit Kies oder sogar Granitplatten befestigt war.

Dennoch: Auf die Dauer war die Bewältigung der Alpenquerung zu Fuß oder auf Reittieren und sogar per Postkutsche denn doch zu unbequem, und so musste eine richtige Straße her, zumal die Konkurrenten Brenner und Simplon bereits über eine solche verfügten. Allerdings war der Bauunternehmer Cyrillo Jauch, ein im Tessin lebender Urner, wohl nicht die beste Wahl: Kaum war die Straße 1826 fertig, so stürzten wenige Jahre später Brücken ein, die Trasse rutschte ab! Also musste alles noch einmal gebaut werden, diesmal unter der Leitung verschiedener qualifizierter Unternehmer, von denen jeder nur für seinen Abschnitt zuständig war. Mitte des 19. Jahrhunderts stand das Werk und konnte nun auch von schwereren Fahrzeugen benutzt werden.

Sobald das Dampfross erfunden war, setzten Überlegungen ein, wie man den Berg mit Hilfe der Eisenbahn bezwingen könne. Hierfür wurde von 1872 bis 1882 der Gotthard-Scheiteltunnel gebaut, der in etwa 1.150 Meter Höhe den Berg ungefähr 15 Kilometer weit durchbohrt, und damit den dampfbetriebenen Zügen einen gemächlichen, über viele Windungen abgeflachten Auf- und Abstieg ermöglichte.

Fast genau 100 Jahre später, nämlich von 1970 bis 1980 kam ein Straßentunnel hinzu, der Teil der kürzesten Autobahnverbindung zwischen Hamburg und Sizilien wurde. Aber damit immer noch nicht genug: Die Schweiz setzte noch eins drauf, und nahm das ehrgeizige Projekt eines Gotthard-Basistunnels in Angriff! Vor wenigen Wochen, am 1. Juni 2016 nun wurde dieses Jahrhundertbauwerk feierlich eröffnet. Mit 57 Kilometern ist er der längste Eisenbahntunnel der Welt, und die Baumeister haben in 17 Jahren nicht nur absolute Präzisionsarbeit geleistet, sondern sind mit 12 Milliarden Schweizer Franken auch im vorgesehenen Kostenrahmen geblieben.

Wir von EgoTrek freuen uns, Ihnen zur Einweihung des Basistunnels noch einmal das Vergnügen anbieten zu können, auf Schusters Rappen über den Gotthard zu wandern. Startpunkt ist da, wo die Schweiz angeblich entstanden ist: Am Rütli. Von dort geht es in drei Etappen – selbstverständlich dürfen Sie auch mehr daraus machen – über Erstfeld und Göschenen hinauf zum „alten“ Gotthard  mit Hospiz und Museum am Lago della Piazza.

In diesem Sinne wünschen Ihnen weiter viel Vergnügen mit eGoTrek