Besteigung des Botev (2.376m)

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Streckendaten:

  • 2-oder 3-Tageswanderung
  • Beste Zeit: Anfang Juni bis Ende Oktober
  • übernachtung auf Berghütte oder im Zelt möglich
  • Ausgangspunkt der Wanderung: 591 Meter (ü. NN)
  • Auf- und Abstieg Gesamt: 28,8 Kilometer, 3.570 Höhenmeter

Ausgangspunkt der Bergwanderung: Im Tal des „Weißen Flusses“ (591 Meter ü. NN)
Wir passieren mit unserem Wohnmobil den Ort Kaloffer am süd-östlichen Fuß des Nationalparks. Hier gibt es einen kleinen Laden, um noch Lebensmittel für die Wanderung zu besorgen. Eine Tourist-Information informiert über Wanderwege und reserviert Betten in den Berghütten. Auch eine Wasserquelle gibt es in dem Ort.

Wir fahren links an der Quelle vorbei und folgen der ziemlich ausgewaschenen Schotterpiste etwa acht Kilometer Richtung Norden in das Tal des „Weißen Flusses“ (bulg. Bjala Reka). Wir passieren das Kloster Maria Geburt (bulg. Manastir Rozhdestvo Bogorodichno), in dem man auch übernachten kann. Einige hundert Meter weiter erreichen wir den Wanderparkplatz. Direkt am Ufer des Flusses bietet die Nationalparkverwaltung eine naturnahe Camping-Infrastruktur: Es gibt Feuerstellen mit Brennholz, ein Wetterschutzdach und ein Plumpsklo. Gezeltet werden darf gegen eine kleine Gebühr von 2 LEV pro Nacht, umgerechnet ist das etwa 1 Euro. Mit dem Wohnmobil bezahlt man 5 LEV.

Verlauf der Wanderung: In zwei Tagen auf den Botev und wieder zurück
Wir starten morgens gegen 8 Uhr auf 591 Metern Meereshöhe. Das Wetter ist diesig, die Temperaturen sind frisch. Richtiges Wanderwetter. Das ist auch gut so, denn die ersten Kilometer sind ziemlich schweißtreibend. Wir queren den „Weißen Fluss“ und finden den Einstieg zum Botev. Der Weg ist grün-weiß markiert und führt zunächst durch ein steiles Stück Laubwald. Der Pfad ist kaum zu erkennen – wenig begangen – und man hat das Gefühl, durch ein Stück Wildnis zu wandern.

Nach eineinhalb Kilometern und 250 Höhenmetern verlassen wir den Wald. Hier können wir einen ersten Blick auf den Botev und den Rajsko-Wasserfall – den höchsten Wasserfall Bulgariens werfen. Die nächsten 200 Höhenmeter queren wir Bergwiesen, die von Schafen, Kühen und Ziegen beweidet werden. Wir treffen einen Hirten, der unser Vorhaben, den Botev zu besteigen, mit einem anerkennenden Nicken kommentiert.

Nach etwa eineinhalb Stunden erreichen wir den Hauptwanderweg, der ab Kaloffer auf den Botev führt. Hier treffen wir auf eine Gruppe Studenten aus Sofia. Die nächsten 500 Meter bieten fantastische Fernblicke auf den Balkan-Gebirgszug und seine unzähligen Wasserfälle.

Danach durchqueren wir die „Hölle“. So heißt das Naturreservat Dzhendema übersetzt. Ab hier wird die Markierung blau-weiß. Bereits 1953 wurde das Reservat auf einer Gesamtfläche von 42 Quadratkilometern ausgewiesen. Unter besonderen Schutz stehen hier Rotbuchen- und Tannenwälder. Wir wandern durch tiefe Schluchten entlang reißenden Strömen und durch dichte Wälder. Dass dies ideale Lebensräume für Wölfe, Gämse und Bären seien, sagt eine Informationstafel der Nationalparkverwaltung. Auch Steinadler sollen hier brüten. Uns begegnet keine dieser Tierarten. Dafür entdecken wir im Regen zwei Feuersalamander.

Nach fast fünf Stunden Gehzeit erreichen wir die Hütte Rai in strömendem Regen. Sie ist rappelvoll – klar, es ist Samstag. Mit unserem Hund bleiben wir besser draußen unter dem Vordach und genehmigen uns mit Blick auf den Rajsko-Wasserfall einen Kräuterschnaps. Der wärmt und beflügelt uns, in der Nähe der Hütte einen Platz für unser Zelt zu suchen. Pünktlich stoppt der Regen und die Sonne beglückt uns für den Rest des Tages mit T-Shirt-Wetter.

Genauso beginnt der nächste Morgen: sonnig und warm. Kaum ein Wölkchen ist am Himmel. Die Aussicht ist herrlich. Wir lassen unser Zelt, die Schlafsäcke und Isomatten bei der Hütte und erwarten gemütliche 800 Höhenmeter „Spaziergang“ auf den Gipfel. Wir passieren einen Wasserfall, an dem wir unsere Wasserreserven auffüllen. Nach etwa der Hälfte des Weges wird es urplötzlich dunkel. Dann spüren wir Wind und Hagel. Und schon ist ein wuchtiges Gewitter im Gang. Der Balkan ist eben die Wetterscheide Bulgariens. Wir suchen Schutz und entscheiden, das Gewitter und die Hagelschauer abzuwarten, und danach weiter zu gehen. Das Unwetter dauert etwa 20 Minuten. Es ist, als wären wir „mal eben“ durch die Jahreszeiten gehüpft. Dicke, dunkle Wolken hüllen jetzt den Gipfel ein und der Hagel hat die grüne Bergkuppe in weiß gehüllt.

Wir brauchen etwa zwei Stunden bis zum Gipfel – inklusive Unwetterpause. Dort überrascht uns eine Wetterstation. Davon hatten wir nichts gewusst. Da wir völlig durchnässt sind gehen wir in eines der Gebäude, um uns aufzuwärmen. In der zweiten Etage brennt Licht, wir klopfen. Tatsächlich öffnet uns ein netter Herr und lässt uns in die warme Stube. Er kocht uns Tee und wir dürfen uns an der Heizung aufwärmen. Da wir uns nicht verständigen können, ruft er eine englischsprachige Kollegin an. Diese sagt uns, wir sollten entweder oben in der Wetterstation übernachten oder aber schnellstmöglich den Heimweg antreten. Denn in wenigen Stunden würde das Wetter wieder schlechter und weitere Gewitter zögen auf. Wir entscheiden uns für den Heimweg, wenngleich die Suppe, die der Mann soeben für uns auf den Herd gestellt hat, mehr als verlockend ist.

Der Rückweg ist angenehm. Die Wolken haben sich gelichtet und geben fantastische Ausblicke frei. Nur etwas über eine Stunde brauchen wir bis zur Hütte. Dort verwöhnt uns die Sonne, so dass wir draußen auf unserem Gaskocher Nudeln kochen und ausgiebig „Mittag“ machen können. Wir essen, trinken Kaffee und in dem Moment, in dem wir uns für den Weg ins Tal aufmachen, fängt es wieder an zu regnen. Bergab geht es trotz Regen schnell und in gut drei Stunden sind wir wieder im Tal bei unserem Wohnmobil. Wir sind müde und zufrieden und trinken darauf noch einen Kräuterschnaps. Dabei blicken wir hinauf zum Botev, sehen ihn aber nicht. Dichte dunkle Wolken verdecken den Berg. Die Dame am Telefon hatte Recht behalten.

Wichtige Telefonnummern
• Notruf / Bergrettung: 112
• Hütte Rai: +359 882 96 64 92
• TouristInfo Kalofer (Infos und Reservierung der Berghütte, 9 – 17 Uhr): +359 3133 5988

Weiterführende Informationen
Die Internetseite des Nationalparks bietet vielfältige englischsprachige Informationen über das Schutzgebiet: http://visitcentralbalkan.net.

Autorin: Sylvia Montag reist gemeinsam mit Mann und Hund seit November 2011 mit dem Wohnmobil. Ihr Ziel ist Zentralasien. über ihre Erlebnisse und Erfahrungen berichten sie auf ihrer Internetseite www.goethepanzer.de.

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Streckendaten
Schwierigkeit Anspruchsvoll
Länge 28,8 km
Dauer 16 Std.

 

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