Historischer Wanderweg im Kalltal

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historischer-wanderweg001Auf den Spuren der Köhler, Berg- und Hüttenleute im Kalltal, Vossenack und Simonskall

Der „Historische Wanderweg“ im Kalltal

Eine Wanderung auf den Spuren der Köhler, Berg- und Hüttenleute von Bruno Linzenich und Heinz Fazius Vossenack-Simonskall.

historischer-wanderweg002Beginnt man die Wanderung auf dem Baptist-Palm-Platz an der Kirche in Vossenack, bildet der „Eifelbaum“ von Pater Laurentius Englisch OFM ein kunstvolles Spiegelbild des „Historischen Wanderweges“.

Die dargestellten Motive Wasser, Wald, Tier und Mensch deuten auf den Reichtum der Landschaft. Mit Fleiß und Erfindungsgabe nutzten die Siedler in dieser Region den Wald und die Kraft des Wassers als einzige Energiequellen im 17. Jahrhundert.

historischer-wanderweg003Holzkohle zum Schmelzen des Erzes und Wasserräder zum Antrieb der Mahl- und Pochwerke standen am Anfang einer sich entwickelnden Eisenindustrie in der Eifel, die dann im 19. Jahrhundert an Rhein und Ruhr bessere Bedingungen für die Eisen- und Stahlproduktion vorfand.

Der „Eifelbaum“ ist ein kultureller Beitrag des Eifelvereins Vossenack anlässlich seiner 100-Jahrfeier im Jahre 2008.

historischer-wanderweg005Zeugnisse der Industriegeschichte:

Dem Logo des „Historischen Wanderweges“ folgend erreicht der Wanderer durch die ruhigen Täler des Morlesiefs und des Richelbaches den breiten Kalltalweg, der nach links zur Mestrenger Mühle führt.

Vom Parkplatz in Simonskall startend, führt dieser Weg talabwärts ebenfalls zunächst zur Mestrenger Mühle. Markierungen mit dem Logo des HWW (H mit aufgesetztem Punkt) weisen auch hier den Weg.

Die Mühle diente ab 1663 als Kornmühle für die umliegenden Ortschaften – heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel mit Einkehrmöglichkeiten.

Von der Mühle kommend, weist die Markierung den Weg über eine den Kallbach querende Holzbrücke ins Huschelbachtal zum Schaumeiler. Hier ahnt man etwas von den mühsamen Arbeiten vergangener Zeiten. Die große Informationstafel gibt Auskunft über die Fähigkeit des Köhlers, aus gewachsenem Buchenholz den äußerst begehrten Energieträger Holzkohle herzustellen. Ein Zahlenbeispiel belegt die Bedeutung dieses Kohlungsprozesses: Um 1 Tonne Roheisen zu erzeugen, wurden 3,2 Tonnen Holzkohle benötigt. Bei einer Kohlenausbeute von 25 % mussten dazu 12,8 Tonnen (ca. 18 m3) Buchenholz verkohlt werden.

Vom Meiler führt ein Weg zurück ins Kalltal, vorbei am alten Wasserwerk von 1905, aus dem eine der vier Lambachpumpen als technische Meisterleistung bereits in der Nähe des Startpunktes in Vossenack bestaunt werden kann. Ausschließlich der Gefälle-Druck des Triebwassers förderte das Trinkwasser 200 Meter hoch nach Vossenack (bis 1936) und Schmidt (bis 1972). Ihren Namen erhielt sie von ihrem Erfinder Wilhelm Lambach.

Ein besonderer Blick in die Erdegeschichte:

historischer-wanderweg010Eine 400 Millionen Jahre alte Felsformation, deren Falten-Struktur weit und breit in der Eifel einzigartig ist, lässt jeden fragend in die Erdgeschichte blicken. Die heutige Oberflächengestalt des Kalltales ist das Ergebnis immer noch andauernder Verwitterungsprozesse (Erosion). Die hier aufgeschlossenen Gesteine bildeten die regionale Grundlage für die Nutzung der geologischen Gegebenheiten durch die ansässigen Menschen. Sie bauten mit heimischem Naturstein ihre Häuser und deckten mit dem Schiefer ihre Dächer. Sie schürften Eisenerz, zu dessen Verarbeitung sie große Mengen Holzkohle benötigten. Und natürlich nutzten sie auch die Böden, die aus der Gesteinsverwitterung hervorgegangen sind sowie Wasser und Wasserkraft. 200 Jahre Eisenproduktion

Weiter dem Logo H folgend, wird Simonskall erreicht. Man kann wählen: auf ruhigen Wanderwegen weiter zu den alten Eisenerz- und Schieferstollen im Tiefenbach-/Brinkbachtal und nach einem kurzen steilen Anstieg zu den Karrenspuren im Fels oder gleich zu den historischen Gebäuden des idyllisch gelegenen Ortes Simonskall, dessen erste Besiedlung durch die Schweizer Gebrüder Bartholomäus und Tobias Schobinger für das Jahr 1608 erwähnt ist. Zehn Jahre später gab Simon Kremer I aus Zweifall, urkundlich als „Simon op der Callen“ dem Ort Simonskall seinen Namen. Er richtete oberhalb des Ortes am rechten Ufer der Kall (heute: Gelände an den Fischteichen) eine Eisenhütte mit Hochofen ein, die nach ca. 200 Jahren mit guten und schlechten Zeiten durch den späteren Besitzer Eberhard Hoesch 1816 stillgelegt wurde.

Die Verhüttung von Eisenerzen war inzwischen technisch weit fortgeschritten und die gewünschte Massenproduktion konnte nur mit dem Energieträger Koks erreicht werden. Heute sind nur noch spärliche Reste der Eisenhütte vorhanden.

Die historischen Gebäude in Simonskall

Der Weg führt an der 1643 erbauten „Burg“ vorbei. Unsichere Zeiten des 30jährigen Krieges zwangen Simons Kremer I zum Bau eines befestigten Steinhauses mit hintereinander liegenden eisenbeschlagenen Eichentoren.

Links am Hang steht die 1934/35 erbaute Marienkapelle, die zur Besinnung einlädt.

historischer-wanderweg008Nach dem überqueren der Kallbrücke, auf der eine ebenfalls von Künstler Pater Laurentius geschaffene Statue des heiligen Nepomuk zu bewundern ist, führt der Weg an der von Simon Kremer I im Jahre 1622 erbauten „Kremer-Mühle“, einer ehemaligen Kornmühle vorbei, dessen oberschlägiges Wasserrad noch heute in Funktion ist.

Gegenüber auf der linken Wegseite, auf der Ecke zur Simonskaller Dorfstrasse , befindet sich das „Junker-Haus“, als „Haus des Gastes“ genutzt, in dem regelmäßig interessante Ausstellungen stattfinden. Hier entdeckt man viele weitere Einzelheiten zur Geschichte des Kalltals (nur an Wochenenden und Feiertags in der Saison geöffnet!).

Der mit Schießscharten erbaute kompakte Eckturm lässt den Schluss zu, dass es das erste feste Bauwerk der Gebrüder Schobinger aus der Zeit um 1610 ist, an das später 1651 das Wohnhaus angebaut wurde. So verrät es die Inschrift im Türsturz über dem Hauseingang.

Auf der Dorfstrasse am Mühlengraben und Mühlrad vorbei, kommt das Haus von 1666 in den Blick. Die ruhigeren Zeiten nach dem Westfälischen Frieden von 1648 und dem Ende des Jülicher Erbfolgekrieges erforderten an diesem keine besonderen Verteidigungseinrichtungen mehr.
historischer-wanderweg006Auf dem zentralen Parkplatz in Simonskall erzählt die große Info-Tafel noch einmal kurz die Geschichte des Ortes.

Dem Zeichen des „Historischen Wanderweges“ H folgend, führt der Weg talabwärts auf der linken Kallseite und durch das Richelsbachtal aufwärts zurück zum Ausgangspunkt „Eifelbaum“ an der Pfarrkirche St. Josef in Vossenack.

Streckenprofil: von 250 (Kalltal) bis 400 Höhenmeter (Vossenack) Entfernungen: Vossenack – Kalltal = 1,5 Km Simonskall – Mestrenger Mühle = 6 Km (nordöstlich) Simonskall – Tiefenbach-/Brinkbachtal = 6 Km (südwestlich) Wegmarkierung: H mit aufgesetztem Punkt

Eine schöne Wanderung mit einem herzlichen „Frisch auf“ wünschen allen Besuchern die Verfasser und der Eifelverein OG Vossenack, der den „Historischen Wanderweg“ im Jahre 1993 einrichtete und unterhält.

BRUNO LINZENICH Hürtgenwald-Vossenack, den 22.02.2011. Kulturwart des Eifelvereins Ortsgruppe Vossenack e.V. in Zusammenarbeit mit Heinz Faziuns, Vossenack.

Empfohlene Gastgeber in der Rureifel:

Mestrenger Mühle,  Hürtgenwald – Kalltal Waldhotel im Wiesengrund, Hürtgenwald-Simonskall, Cafe Kern, Hürtgenwald-Simonskall, Hotel Zum alten Forsthaus, Hütgenwald-Vossenack, Hotel Haus Seeblick, Nideggen-Schmidt, Babalu – Geschenke u. Spiele, Vossenack

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Streckendaten
Schwierigkeit Normal
Länge 12 km
Dauer 3,5 Std.
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